Guten Morgen, liebe Sorgen! – Oder: Kontraste pur! (Sonntag, 28.09.)

29.September 2008

Dieser Tag war wohl bisher der erlebnisreichste und intensivste Tag.

Dabei fing alles so erholsam an: Nachdem ich bis halb 11 ausschlafen konnte, ging ich nach magerem Frühstück (nur Obst, mir ist die Lust auf abgepacktes Rosinenbrot vergangen und Joghurt…ja..) daran, den Tag zu planen. Da sonst keine Termine anstanden, wollte ich mir die Altstadt Shanghais anschauen, allerdings nachdem ich zunächst den Tag langsam anging.

Ich saß um 12:30 also noch wie frisch aus dem Bett gefallen (in Boxershorts) vor dem Notebook und schaute nach, was in der Woche alles passiert war, als auf einmal meine Appartementtür aufging. Nach kurzem verwundern stand die A-Yi in der Tür, die Putzfrau! Ohne anzuklopfen oder ähnliches stand sie dort und ohne Hemmnisse ist sie dann in die Wohnung und machte mir mit einer wischenden Geste klar, dass sie putzen will. Ja, das war mir auch klar!

Ich zog mir erstmal was über und machte ihr dann mithilfe des Langenscheidt Sprachführers (DANKE Camil!) klar, dass sie um 1 Uhr wieder kommen soll.

Meine Tagesplanung beschleunigte sich daraufhin, denn ich wollte noch schnell duschen und dann los. Als ich um kurz nach 1 dann los bin in Richtung Innenstadt war sie natürlich noch nicht wieder da.

In der Stadt angekommen habe ich mich wieder halb nach dem vorgegebenen Rundgang und halb nach eigenem Willen durch die Stadt bewegt. Der Weg von der Haupteinkaufsstraße (East Nanjing Road – Nanjing Dong Lu) bis an die Ränder der Altstadt war dabei von Verkehrschaos geprägt – es war wohl allgemein eher ein Werk- als ein Sonntagsgefühl.

Doch je weiter ich kam, umso weiter kam ich auch von dem bunten Glitzern der Innenstadt weg. Die Straßen, die ich dort teilweise durchquerte stellten eine völlig andere Stadt dar: Die Menschen dort lebten auf kleinstem Raum, der sehr zur Straße hin orientiert war und man sah allein an den hygienischen Maßstäben dieses hier eine Kategorie des Überlebens ist, wie es sie in Deutschland wohl gar nicht gibt. Ich glaube zwar fest, dass diese Menschen nicht Angst haben müssen zu verhungern, das ist allerdings auch schon alles!

Die Eindrücke, die sich dort ergaben, lassen sich schwer in Worte fassen. Es war eine Atmosphäre, die trotzdem nie unsicher oder voller Neid gewirkt hat und irgendwie war es doch ein Gefühl der Betriebsamkeit und nicht des Jammerns oder Beklagens, was ich um mich wähnte.

Erwähnenswert ist dabei, dass ich keinerlei Angstgefühle oder ähnliches hatte, da die Atmosphäre nicht dem entspricht was ich mir unter runtergekommenen Vierteln in Deutschland, Ghettos oder Slums vorstelle.

Umso beeindruckender war es dann, als ich mal wieder durch eine der kleinsten Gassen schlenderte, dass ich auf einmal vor vielen prächtigen Gebäuden stand: Mitten in den ärmeren Bereichen ist der Yu Yuan Tempel. Ein wundervoller Bau, der so aussieht, wie ich mir das „alte” China vorstelle. Wunderschön!

Allerdings gibt es dort ein großes Aber: Nicht nur, dass die Außenbereiche des Tempels mit touristischen Läden von McDonald’s bis zum Kleinkramhändler übersät sind, auch in den Innenbereichen der Tempelanlage (vom Aufbau am ehesten mit einer Klosteranlage zu vergleichen) sind die kleinen Händler, Läden und sogar ein Starbucks direkt gegenüber des Hauptteils des Tempels.

Dementsprechend touristisch waren auch die Massen dort, so dass es mich dort nur für ca. 10 Minuten hielt, die Stadt auf meine eigene Faust erkunden ohne tausende von typischen Touristen um mich herum gibt mir da mehr.

Nach noch einem ordentlichen Stück in Richtung Süden habe ich dann irgendwann aber auch umgedreht, denn die Anstrengungen in den Beinen, für die Nase und allgemein die krassen Gegensätze zwischen dem glitzernden, modernen Shanghai und dem, was man dort so alles sah, sorgten dafür, dass ich am liebsten eine Auszeit in einem Park genommen hätte. Leider war dort keiner.

So musste ich da durch. Doch das Wetter motivierte mich dann wenigstens noch dazu, dass ich noch den Bund von Süden nach Norden ablaufe, da dies sowieso nicht allzuweit von meinem nötigen Rückweg entfernt war.

Der Umweg hat sich dabei auf jeden Fall gelohnt, denn der Ausblick auf Pudong bei Sonnenschein ist auch unglaublich. Vor allem wenn man noch eine Stunde zuvor das krasse Gegenteil gesehen hat, wirkt es irgendwie seltsam.

Am Bund habe ich dann unglaublich viele Polizisten – insgesamt deutlich über 100 in 2-3 großen Gruppen – gesehen, was dazu führte, dass die ganzen kleinen Kruscht-Händler ihre Bauchläden nahmen und einen schnellen Abgang machten. Vielleicht war es auch dadurch so entspannt am Bund.

Ich genoss noch ein wenig das Panorama, machte wieder viele Fotos und dann kam das nächste Highlight. Auf dem Weg zurück zur Nanjing Dong Lu sah ich bestimmt 150 Militärpolizisten (zumindest waren sie wohl mit Militärlastern angekarrt worden), die im Laufschritt die Hauptstraße am Bund überquerten und in die Stadt liefen. Später liefen dann nochmal ca. 50 von denen an mir zügig vorbei. Ich habe nicht den geringsten Schimmer, was dort los war. Aber mein Chef sagte mir, er habe das noch nicht erlebt, es ist also wohl kein alltägliches Ding.

Auf dem Rückweg nach der U-Bahn-Fahrt genoss ich die Abendsonne und meinen neuen Lieblingsheimweg. Die Sonne ging pünktlich kurz nach meiner Ankunft im Appartment unter, so dass ich noch ein paar Bilder davon machen konnte.

Hoffentlich kommen noch ein paar solcher Tage, was das Wetter betrifft.

Doch nach so viel umwerfenden sollte mich die negative Überraschung noch einholen, auch wenn sie mit den bombastischen Eindrücken des Tages nicht vergleichbar ist, hat sie mich dennoch ziemlich gewurmt.

Mein bisheriges Verständnis von vielen Dingen, so musste ich feststellen, beruhte auf grundlegend falschen Annahmen.

Es begann damit, dass die Wäsche, die die Putzfrau vom Boden im Bad in die Waschmaschine geräumt hatte, nicht wie ich annahm gewaschen war. Sondern einfach nur in die Waschmaschine geräumt. Kein großes Ding, aber ärgerlich, wenn man die Sachen rauslegen will und dann merkt, dass sie noch stinken (es waren die Fußballsachen dabei).

Dann hatte ich angenommen, dass die Putzfrau die Bierflaschen mitnimmt, die ich immer neben den Mülleimer stelle, denn die waren dort nicht mehr. Desweiteren unterlag ich der Annahme, dass ich in der Küche neben einem Wok auch eine gebrauchstüchtige Pfanne habe.

Weit gefehlt, was auch die letzten beiden Annahmen angeht: Die Pfanne sah zwar nicht sonderlich verschmutzt aus im Halbdunkeln des Schrankes, doch waren dort noch die eingetrockneten Fetttropfen zu erkennen – na lecker! Kein Wunder, wenn sich dann irgendwann mal Tiere einquartieren!

Nach hartem Schrubben ging das Fett trotzdem nicht ab, da ich als Hardware nur einen Schwamm zur Verfügung hatte. Auf der Suche nach weiteren Kochutensilien dann der nächste Hammer: In einem Teil der Küchenschränke stehen ca. 15 Bierflaschen schön aufgereiht. OH MAN! Ich meine, die Frau macht das sicher nicht mit böser Absicht, aber da treffen einfach falsche Erwartungen aufeinander und lauter Bierflaschen mit normalen, minimalen Resten drin – hoffentlich hab ich noch kein Ungeziefer hier!

Nachdem ich reichlich genervt war, wollte ich mich wieder aufmuntern und die Bratkartoffeln und das Fleisch machen, allerdings war ich genötigt beides nacheinander zu machen und beides im Wok zu machen.

Die Kartoffeln – ein sonst echt bombensicheres Ding bei mir – gelangen mir wirklich nur mittel-schlecht, so dass ich kein großes Erfreuen dran hatte und das Fleisch brauchte ewig im Wok und war dann wie tot, da ich es aber auf jeden Fall durchgebraten haben wollte – wer weiß wie lange das wo lag!

Das bedeutete leider, dass das Essen mich zwar gesättigt hatte, aber nicht den gewünschten Heimateffekt hatte – sondern das Bedürfnis nach der heimatlichen Küche und der vorhandenen Geräte noch deutlich erhöht hat!

Allerdings hat heute das Essen in der Kantine dafür entschädigt: Mittags Chicken und als anderes Hauptgericht Garnelen und abends Schwein, Nudeln, Rührei und noch mehr Nudeln. Das war wirklich lecker! Da habe ich gar keinen riesigen Heißhunger auf Deutsche Küche mehr! DANKE Kantine! :-)


Formel 1 in Singapur – déjà vu?

29.September 2008

Als ich Samstag gezwungener Maßen Formel 1 schauen musste, weil es statt Bundesliga übertragen wurde, war ich doch begeistert.

Die Bilder des Nachtrennens sind wirklich gigantisch und irgendwie hatte ich das Gefühl, das ganze könnte auch hier vor der Türe sein. Schade, dass es das nicht war, ich glaube das wär ein Augen- und Ohrenschmaus gewesen!

Also, wer sich vorstellen will, wie Pudong bei Nacht aussieht, der schaue sich einfach das Formel 1 Rennen aus Singapur nochmal an – nur der Verkehr ist hier chaotischer ;-) .


French Concession – Diese Stadt kann auch anders! (27.09.)

29.September 2008

Nachdem der Rest der Woche aus Alltag bestand – Arbeiten – hatte ich am Samstag frei. Eigentlich keine besondere Tatsache, an diesem Wochenende allerdings schon: Alle chinesischen Kollegen haben gearbeitet. Dieses Wochenende wurde hier gearbeitet, damit die bald folgenden freien Tage um den Nationalfeiertag am 1. Oktober herum zu einer längeren freien Zeit, einer der beiden Golden Weeks, werden. Das bedeutet, ganz China hat frei und alle Wanderarbeiter fahren heim – ich möchte nicht wissen wie es momentan auf den Bahnhöfen Chinas aussieht.

Aber ich konnte den Samstag bei perfektem Wetter genießen. Die Stadt war nicht sonderlich überlaufen, es war kein bisschen schwül und das Thermometer maß um die 25° – bei strahlendem Sonnenschein!

Nachdem ich ausgeschlafen hatte hieß es also auf in die Stadt! Auf dem Plan stand diesmal die French Concession, der ehemals französische Teil der Stadt. Nach einiger Zeit U-Bahn-Fahrt war ich dann an der gewünschten Station und erstmal wollte ich mein Glück probieren, ohne mich zu stark an der Karte zu orientieren. Denn mein Reiseführer hat einen Stadtspaziergang für die French Concession eingezeichnet, den ich aber nicht zu 100% befolgen wollte – auch weil dieser für 3 Stunden angedacht war und ich am späten Nachmittag noch ins Büro musste – der Fußball hatte gerufen.

Nachdem ich aber eine Runde im Kreis gelaufen war und nicht so recht die Richtung gefunden hatte, holte ich doch die Karte raus. Die Orientierung in der Stadt macht mir doch noch etwas Probleme, weil man nie weiß, in welcher Himmelsrichtung man denn aus der U-Bahn-Station kommt.

Allerdings habe ich im Laufe des Samstags herausgefunden, dass die Straßennamensschilder immer ein N und S bzw. ein E und W für die Himmelsrichtungen tragen. Seitdem klappt das alles viel besser!

Nachdem ich mich am vorgegeben Weg grob orientiert hatte, fand ich die bisher gemütlichsten Ecken, die ich in Shanghai gefunden habe. Eine Fußgängerzone mit vielen Restaurants war dabei das Highlight, dort war auch das Paulaner – allerdings hatte ich keine Lust auf Weißbier und Weißwürste.

Die Straßenzüge dort sind zwar auch lebhaft, aber irgendwie in einem kleineren, angenehmeren Maßstab. Es wuseln also nicht ganz so viele Menschen dort herum wie in der Innenstadt und es tat mir auch gut, mal wieder einen Europäer (oder westlichen) Anteil von bestimmt 20% zu sehen.

Auf meinem weiteren Streifzug durch das Viertel kam ich noch durch einen Park – dort war die Idylle dann fast perfekt. Es war gerade der Rasen gemäht worden, wodurch man keinen Stadtmief mehr riechen konnte, sondern der normale Rasengeruch. Dazu war es dort unglaublich ruhig und das gute Wetter trugen ihr übriges dazu bei, dass ich mich sehr wohl fühlte!

Auf dem Weg in Richtung U-Bahn bin ich dann an unzähligen kleinen Geschäften vorbeigekommen, das ist Stadtatmosphäre, wie ich sie gerne habe! Dazu kommt auch noch, dass ich am gesamten Tag nicht einmal angesprochen wurde von irgendwelchen „Studentinnten” mit falschen Absichten und auch nur 2-3 Rolex-Verkäufer dort waren.

Ich merke aber auch, dass es mir mittlerweile leichter fällt, diese Sorte von Nervern einfach zu ignorieren, was Ausflüge in die Stadt bedeutend angenehmer macht.

Nach der sehr westlichen Stärkung – wieder bei einer internationalen Restaurantkette – machte ich mich dann auf in Richtung Appartement, immerhin war ich für halb 6 im Büro verabredet um mit dem Team Fußball spielen zu gehen.

Nachdem ich dort gefragt wurde, ob mir nicht kalt sei – es waren „nur” noch 23-25° – war ich doch etwas überrascht. Ich fand den Tag wettertechnisch perfekt!

Beim Fußball merkte ich, dass ich mich schon wieder an Bewegung gewöhnt habe – wie schnell das doch geht! Ich hab die 2 Stunden bis auf eine kurze Pause kurz vor Schluss durchspielen können und hinterher meine Muskeln nicht mehr so stark gespürt wie noch bei den ersten Spielen. Das sind gute Aussichten für das erste Pflichtspiel am 8. Oktober!

Wie wir gespielt haben weiß ich genauso wenig wie die Information, wie oft ich getroffen habe. An ein Tor kann ich mich sicher erinnern, aber es können auch 3 oder 4 gewesen sein. Es geht auf jeden Fall was die Teamleistung angeht vorwärts!

Einziger Wehrmutstropfen an diesem sonst sehr schönen Tag war, dass die Bundesliga wieder nicht live übertragen wurde. Statt dessen kam wieder nur unwichtiges im Fernsehen – Tennis auf dem einen Sender, Formel 1 auf dem anderen.

 


Fakemarket ohne Angebot, aber: Neuer Einkaufsmarkt – direkt ums Eck (Freitag, 26.09.)

29.September 2008

Nachdem die Arbeitswoche rum war, wollte ich Freitag abend auf den Fake-Market, um mir richtige Outdoor-Fußballschuhe zu kaufen. Das war allerdings trotz insgesamt einer Stunde die ich zur Suche investiert habe ein Reinfall: Es gab keine Fußballschuhe in meiner Größe. Nachdem ich im ersten Laden bestimmt 10 – 15 Minuten gewartet hatte und der „Bote” nur mit Größe 46 zurückkam, die aber wie 43 ausfiel, versuchte ich mein Glück am anderen Ende des Marktes. Dort geschah quasi das gleiche, jemand ging los und holte die Ware. Da auch er kein Paar hatte, hat sich meine Vermutung erhärtet: Die kleinen Shops der Fakemarkets hängen alle (oder viele) an einem zentralen Lager – aber ob die eine gescheite Lagerverwaltungssoftware haben? ;-)

Der Umweg war trotzdem erfolgreich, denn so stieg ich an einer anderen Station aus und versuchte mal einen anderen Heimweg als den Standardweg. Und siehe da: ich bin an etwas wie einem Stadtteilzentrum vorbeigekommen! Mit mehreren Obstläden (die natürlich nicht im entferntesten an meine Lieblingsobstfrau rankommen ;-) ), Supermärkten und kleineren Restaurants und weiteren Läden. Dazu etwas wie ein Marktplatz, der voll mit Leuten war, die getanzt haben!

Ein echt toller Platz! Gut, dass ich den Umweg gemacht hatte! Jetzt laufe ich fast immer da lang, wenn ich aus der Stadt komme, da es maximal 2 Minuten länger dauert und doch deutlich schöner ist.

Dort gab es dann auch Kartoffeln und Zwiebeln zu kaufen – sogar frisches Fleisch! Damit war mein Plan für mein sonntägliches Essen auch klar: Bratkartoffeln und ein Stück Fleisch! Wie in Deutschland!

 


Donnerstag – Bar 789 im Meridien

29.September 2008

Wieder eine spontane Aktion: Am Donnerstag fragte mich eine Kollegin, ob ich nicht Lust hätte noch etwas trinken zu gehen. Ich überlegte, aber da ja keine Chorprobe oder ähnliches anstand, sprach nichts dagegen. Ich kannte zwar den Barnamen und auch den Ort nicht, den sie erwähnte, aber naja – man muss Frauen ja auch mal trauen ;-) .

Also sind wir direkt nach dem Essen in der Firma los in die Innenstadt. Ziemlich direkt am People’s Square war die genannte Lokalität – im Hotel Royal Meridien. Nicht irgendwo – sondern im 66. Stock!

Nachdem wir beim Aufzug fahren 2 Mal umsteigen mussten, hatten wir den richtigen Aufzug. Der Lobby und dem ganzen Gebäude sah man schon an, dass es nicht auf Studenten ausgelegt war. Ich weiß gar nicht ob das Meridien „nur” 4 oder doch die vermuteten 5 Sterne hat.

Oben angekommen fühlte man sich wie in einer anderen Welt: Kein Stress, man wurde sofort behandelt wie ein König. Wir bekamen einen Tisch direkt am Fenster – der Oberhammer!

Die Preise waren zwar auch sehr gehoben, doch für 80RMB, also 8 € einen leckeren Mojito zu trinken UND die Aussicht genießen zu können, das geht in Ordnung!

Leider waren die Akkus meiner Kamera leer, allerdings bin ich mir sicher, dass dies nicht das letzte Mal war, dass ich diese Bar besucht habe.

 


SWFC – Spontanausflug, der sich lohnt! (Dienstag, 23.09.)

29.September 2008

Es heißt ja oft spontane Dinge sind die Besten – so war es diesmal auch.
Nach einem normalen Arbeitstag war ich nicht sonderlich motiviert, noch große Dinge zu unternehmen, obwohl ich relativ früh aus dem Büro gekommen war und ich schon gegen 18:30 Uhr zu Hause war. Doch hier angekommen steigerte sich meine Lust ungemein, als ich sah, dass es draußen endlich mal total klar war. Kein Smog, nur ein paar vereinzelte Wolken und es war nicht so stickig wie die Tage davor.

Also hieß es nur fix die Tasche abstellen, die Kamera packen und dann los, ich dachte mir: Dieses Wetter ist einfach perfekt, um Pudong und die ganzen Finanz-Hochhäuser bei Nacht zu erleben – und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Mein eigentlicher Plan war ein Rundgang auf der hiesigen Flussseite um dann Bilder vom Bund zu machen. Allerdings machte ich dann einmal in der Station Lujiazui angekommen mir erst einmal ein Bild von dem was mich da umgab und das war wirklich beeindruckend. Bei klarer Luft, Nacht und angenehmeren Temperaturen (wohl so um die 25°) war die Atmosphäre der gesamten beleuchteten Wolkenkratzer einfach bombastisch. Also dachte ich mir, dass ich mal in Richtung Jinmao-Building und dem neuen Shanghai World Finance Center gehe, um von denen ein paar Bilder zu machen.

Am Fuße der Türme war ich dann total baff, die sind wirklich der Hammer. Dazu zogen vereinzelt noch kleine Nebel/Wolkenschwaden durch die Öffnung des SWFC, das war einfach unglaublich. Als ich dann sah, dass man dort noch bis incl. 23 Uhr hoch kann, es aber erst ca. 20 Uhr war, war es um mich geschehen.

Für umgerechnet 11 Euro kann man dort hoch – allerdings nur bis in den 97. Stock. Bis in den 100. Stock, den Skywalk, würde es noch einmal 4 Euro kosten und in Anbetracht der Tatsache, dass ich mit meiner Mum sicher nochmal dort hochgehen werde, sparte ich mir das Geld. Ich will mir ja auch noch etwas aufheben.

Um dort hochzufahren, muss man zunächst in ein Untergeschoss – schon dort sieht man, dass das Gebäude ultramodern aufgemacht ist – dazu ist ja auch noch alles brandneu; das SWFC wurde am 30.08. erst eröffnet. Nach einer extrem kitschigen Pre-Show, in der man in einer gesamten Gruppe um ein Modell des Turms herum stand, das sich drehte und dann so allerlei Lichteffekte von sich gab, ging es dann endlich in den Aufzug. Der war der Hammer, der könnte eins-zu-eins aus einem futuristischen Film entnommen sein. Plastikverkleidungen, die beleuchtet sind geben einem das Gefühl dass man wirklich hoch fährt – ich fand es etwas übertrieben kitschig, aber alle Chinesen mit mir im Aufzug schienen begeistert… Nun ja, kulturelle Unterschiede vermute ich ;-)

Die Fahrt ging relativ fix und wenn ich nicht anschließend das Ganze hätte verifizieren können hätte ich geglaubt wir seien maximal zu mir in den 25. Stock gefahren.

Doch oben angekommen – dort war noch mehr Personal, das herumstand und einem den Weg zeigte – konnte ich mich eines besseren Überzeugen. In der Skylounge im 94. Stock schaute ich zunächst, während der gesamte Trott aus dem Aufzug direkt nach weiter oben wollte.

Der Ausblick aus der Skylounge ist wirklich überragend, noch dazu war es klar, nur hin und wieder zogen Wolken vorbei, das machte es allerdings interessanter, da es ein irres Gefühl ist mitten in den Wolken zu stehen.

Leider waren die Fenster zur interessanteren Seite (Jinmao Building und TV Tower) verschmutzt und von außen beschlagen, weshalb ich mich auf die andere Seite konzentrierte. Dort waren zum Glück auch Geländerstangen, auf denen man den Fotoapparat auflegen konnte, sonst wäre dort jedes Bild verwackelt gewesen.

Einige Chinesen haben dieses Problem geschickt umgangen: Sie haben mit Blitz fotografiert – und ihn auch nach dem ersten Bild mit Blitz nicht abgestellt. Nun ja, jedem das seine, aber auf die Bilder wäre ich gespannt!

Nach über 20 Minuten bin ich dann auch 3 Etagen höher, per Rolltreppe versteht sich. Dort musste ich dann leider feststellen, dass die Aussicht auf die Flussseite, obwohl sie sauber war, nicht ideal war. Aufgrund der Architektur ist dort dann noch ein Vorsprung, durch den man deutlich schlechter sieht. Schade! Aber trotzdem, war es beeindruckend genug!

Insgesamt verbrachte ich über eine halbe Stunde in der Höhe und schoss gefühlte 200 Bilder. Doch irgendwann hatte ich dann auch vom schönsten Ausblick genug, zumal sich die Anzahl der Wolken häufte. Also bin ich wieder runter, im Fahrstuhl habe ich dann mal ein Video von der Fahrt gemacht – sehr sehr lustig. Ich kann das nur empfehlen, wenn ich in Deutschland bin und wieder eine ansprechende Internetverbindung habe, kann ich das bei Interesse gerne mal versenden. So ein kitsch!

Danach bin ich noch die Super Brand Mall und zu meiner Überraschung war dort NICHTS los – obwohl es noch über eine Stunde bis zur Schließung war. Das war so angenehm, mal da durch zu schlendern ohne hektikverbreitende Chinesen! Nach einer Stärkung bei einem großen internationalen Restaurant war der Abend endgültig perfekt! Hätte mir das jemand gesagt als ich von der Arbeit aufgebrochen bin, hätt ich es wohl nicht geglaubt!

 


Update: Datum

29.September 2008

Da ich ja nicht jeden Tag zum Bloggen komme – ja ich weiß, manchmal auch Ewigkeiten nicht, werde ich ja jeden Tag in der Firma drauf hingewiesen :-D – schreibe ich jetzt das Datum des Berichts mal dazu – also wann das passiert ist. Nicht, wann ich geschrieben habe!


Montag – Die zweite Arbeitswoche

22.September 2008

Seit heute sitze ich in einem anderen Großraumbüro, da in dem ursprünglichen jemand aus dem Urlaub wieder kommt und kein Platz mehr ist. Das bedeutet, dass ich jetzt zwar mehr Ruhe habe, aber auch jedesmal ein wenig Laufen muss um meinen Chef zu sprechen.

Durch Nachfrage habe ich dann auch ein Telefon an meinen Platz bekommen, was auch zum Ausspruch des Tages führte. Auf meine Nachfrage, ob ich denn etwas besonderes machen muss, damit das Telefon nach dem Einstecken geht (es ging nämlich noch nicht), kam folgende Antwort: Ruf Nummer 12345 an, die helfen dir.

Genau. Ohne Telefon? :-D

Ansonsten gibt es vor allem eine Neuigkeit: Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag in der Kantine zu essen. Abends! Es gibt hier ab 18 Uhr für umgerechnet 60Cent warmes Essen, so viel man will. Damit werde ich mittags immer an die europäischere Essensausgabe gehen (wo es immernoch deutlich asiatisch angehaucht ist) und abends dann asiatisch essen. Somit spar ich mir alles Kochen und ich lerne vielleicht mehr Dinge asiatischer Küche kennen!


Joghurt – Soll ich den noch essen?

22.September 2008

Sanlu – eine bisher für mich total unbekannte Marke rückte letzte Woche in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Grund ist der Milchpulverskandal hier in China, über den z.B. auch China Daily (

 

www.chinadaily.com.cn – eine echt interessante, da chinesisch-stämmige, aber englischsprachige News-Seite) berichtet.

Nachdem ich auf spiegel.de schon davon gelesen hatte und auch von meinem Chef eine Mail des Konsulats hier weitergeleitet bekam, bin ich jetzt etwas verunsichert. Ich habe seit ich hier bin schon 4 Joghurts daheim und wohl mindestens eben so viele in der Kantine gegessen (bzw. getrunken, hier wird Joghurt mit Strohhalm getrunken), allerdings auch noch 4 im Kühlschrank.

Nun bin ich etwas verunsichert, ob ich diese noch zu mir nehmen soll. Ich werde berichten, was sich dort so ergibt.


Die Obsthändlerin – kleine Geschichten echter Freude

22.September 2008

Ich habe zwar mittlerweile einen Supermarkt gefunden, der bietet allerdings nur (oft schon braune) Äpfel an. Das konnte auf Dauer nicht meine Obstgelüste stillen.

Nach meiner Ankunft in Shanghai hatte ich schon gesehen, dass direkt vor den Appartement-Türmen ein kleiner Obststand ist. Dort liegen auf einem kleinen Obstwagen verschieden Sorten Obst (Äpfel, Melonen, Weintrauben, Limetten oder so etwas und Zwetschgen) aus – allerdings direkt am Straßenrand.

Daher hatte ich dort zunächst nichts gekauft, allerdings überwand ich dann am Samstag meine Zurückhaltung. Nachdem ich schonmal beim Supermarkt bei einem Obststand (der aus der Ladefläche eines LKWs bestand) Weintrauben gekauft hatte und für eine geschätzte Menge von weniger als einem Pfund ca. 15 RMB, also 1,50€ bezahlt hatte, hatte ich die Hoffnung, dass die Frau von dem Obststand vor dem Appartementblock vielleicht günstigere (ehrlichere?) Preise hatte. Also bestellte ich per Handsprache 3 Äpfel und ein paar Weintrauben. Die Frau zählte auf Englisch ab, „one, two, three, four, five, six, seven, eight, nine, nine!”. Das bedeutete wohl, dass es 9 RMB, also 90 Cent kosten sollte. Ich war überrascht, dass es so günstig war, gab der Frau 10 RMB und sagte “It’s okay”, den sie hatte mir wohl keinen “Europäer-Aufschlag” gegeben.

So wie sie mich dann anlächelte, das sah nach echter Freude aus und hat auch mich wirklich gefreut. Der BWLer würde trocken von einer Win-Win-Situation sprechen.

Highlight war dann, als ich heute wieder bei ihr einkaufte (3 Äpfel und 3 Mandarinen (oder so, sie sind grün, ich werde sie gleich probieren)): Sie erkannte mich wohl wieder und lächelte mich wieder an. Der Preis war wieder überraschend günstig, 5 RMB, also ca. 50Cent. Da es aber ein runder Preis war, zahlte ich passend.

Ob das Obst wirklich so gesund ist, weiß ich nicht. Ich wasche es ordentlich ab, denn ich weiß nicht von wann an es dort an der Straße liegt. Aber dafür schmeckt es hervorragend, die Weintrauben (dunkle) schmeckten viel reifer als die, die man bei uns kriegt. Wahrscheinlich, weil sie nicht um den halben Globus transportiert wurden und unreif geerntet wurden.

Update: Es sind Mandarinen; und sie schmecken himmlisch!! :)


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