National Holiday – oder: Heute gehen wir alle in die Stadt! (01.10.)

1,3 Milliarden Menschen leben in China und gestern waren davon gefühlte 50% hier in der Stadt.

Nachdem ich den Tag ruhig anging bin ich am frühen Nachmittag in Richtung Innenstadt gestartet. Auf dem Plan stand: Nichts! Da ich vorgewarnt war, wollte ich einfach nur erleben, wie voll es wirklich ist und wenn es sich ergibt vielleicht auch noch etwas anschauen. Ziel war es erstmal, von der Station West Nanjing Road bis zur 2 Stationen weiter gelegenen East Nanjing Road zu laufen und unterwegs was zu essen.

Die U-Bahn war erstaunlicherweise nicht voller als sonst. Und als ich an der – für mich unbekannten – Station ausstieg, war dort zwar relativ viel los, aber es war noch nichts, was eine Karlsruhe-Adventszeit-erfahrenen Menschen so richtig aus der Ruhe bringt.

Was allerdings auffiel: An jedem Laternenmasten und jedem Laden hing eine chinesische Flagge, etwas was in Deutschland am 3. Oktober unüblich ist. Allerdings kenne ich es aus Frankreich, die haben im Juli ja auch ihre Flagge überall.

Auf dem Weg zum People‘s Square füllten sich die Straßen immer mehr, je stärker ich mich dem Platz näherte. Von da an war es dann unglaublich voll. So viele Menschen auf so wenig Raum – wirklich unglaublich.

Die gesamte Haupt-Einkaufsstraße (East Nanjing Road) war total überlaufen, jegliches Überqueren von Straßen bis dahin war nur in Riesenmenschentrauben bei grünen Ampeln unter lautem Pfeifen von den Verkehrsassistenten, die anscheinend ihre Macht ein wenig überschätzen, denn: erstens Pfeifen sie ohne Pause, als wären sie die wichtigsten Personen überhaupt und zweitens gibt es genügend Chinesen die auch bei rot trotz des Pfeifens die Straße überqueren – ein richtiges Gegenmittel haben die Assistenten dagegen nicht.

Nachdem ich mich – nur von einem kurzen Abstecher zu McDonald’s unterbrochen – bis zur Station der East Nanjing Road durchgekämpft hatte, war dort dann das Highlight überhaupt: Die Station war zu. Warum weiß ich nicht, denn das Info-Schild war leider nur in chinesischen Schriftzeichen. Das bedeutete, dass ich – mittlerweile etwas genervt von der Menschenmenge – wieder durch selbige zurück musste. Bis zum People’s Square.

Obwohl ich wirklich das Gefühl habe, dass ich mich im Verhältnis zu anderen Menschen recht schnell durch solche Massen bewegen kann, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit. In der U-Bahn angekommen, war es dort dann das Gefühl einer Sardine in der Dose, mit dem einzigen Unterschied, dass die U-Bahnen gut belüftet sind und dadurch die Luft nicht stickig war – aber Platz um sich mal komplett umzudrehen war nicht.

Durch die Verspätung hätte ich fast noch ein weiteres Highlight verpasst, aber zum Glück hatte die Kollegin auf mich gewartet.

Die Kollegin, Sophie, hatte gefragt ob wir nicht mal gemeinsam zum „Nudelmann” gehen wollen. Da ich sowieso geplant hatte, mal die örtlichen Essensmöglichkeiten zu testen (meine Küche ist ja bekannterweise nicht der Brecher) traf sich das gut.

Wir sind also los und von meinem Appartment aus war es gar nicht weit, an dem Laden war ich bestimmt schon 20 Mal vorbei gelaufen, da er direkt auf dem Weg zum Supermarkt liegt.

Wie ich lernte ist der „Nudelmann” ein kleines Restaurant, welches von Uiguren betrieben wird – einer muslimischen Minderheit in China. Die Nudeln werden hier selber per Hand gefertigt in einem irren Verfahren: Durch ziehen. So macht der Nudelmacher in kürzester Zeit aus einem Teigklumpen lange, dünne Nudeln.

Die Wahl der Speise ist recht einfach, da an einer Wand Bilder von den verschiedenen Gerichten hängen und man nur drauf zeigen muss. Ich wählte Nudeln mit Rührei und Tomaten und es war echt Spitze! Im Preis von 9RMB (0,90 €) war sogar eine kleine Suppe vorneweg drin – unschlagbar!

Man muss nur etwas hartgesotten sein, denn während wir dort saßen und aßen, lief an der Wand des Speiseraums eine Kakerlake entlang – aber in Anbetracht der allgemeinen Verschmutzung hier bin ich persönlich dort nicht sonderlich ängstlich.

Bei einem anschließenden Eis aus dem Supermarkt beobachteten wir noch das Treiben auf einem Platz in der Nähe: Dort wurde auf der einen Seite zu Musik getanzt, auf der anderen Seite sang eine Gruppe von 10 – 15 Menschen Lieder, wohl altbekannte Volkslieder. Ein irres Treiben und wieder etwas für die Kategorie: Unterschiede. Denn in Deutschland kenne ich ein solch unverbindliches abendliches Treffen auf Plätzen, wo einfach miteinander gesungen oder getanzt wird, nicht. Schade eigentlich, denn diesen Menschen war sicher nicht langweilig abends und sie taten was mit vielen Leuten zusammen – sicher besser als immer nur fern zu sehen (was aber hier auch deutlich seichteres Programm beinhaltet als in Europa).

 

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