Nachdem mein Ausflug am Tag der Deutschen Einheit doch länger geworden war, war der Samstag wieder ruhiger. Bis zum Nachmittag war ich nur im Appartement, dann wollte ich mal einen Streifzug durch das Viertel hier machen, denn manche Straßenzüge hatte ich noch gar nicht angesehen – und das Viertel hielt noch einige Dinge für mich bereit.
Nach kurzer Stärkung bei KFC erkundete ich den Teil südlich der U-Bahn Station Longyang Lu, an der auch der Transrapid (MagLev) ankommt. So richtig viel gab es dort – abgesehen von einigen Restaurants und so manch „interessantem” Geruch – nicht. Also bin ich wieder zurück in Richtung Station (ich wohne nordwestlich von der genannten Station). Dort beschloss ich ein paar Fotos vom Transrapid in der Fahrt zu machen – das bedeutete erst einmal Warten. Doch nach fünf Minuten fuhr der Zug, der in der Station war los – so richtig tolle Fotos entstanden leider nicht. Sowohl die Kamera als auch meine unruhigen Arme trugen je ihren Teil dazu bei.
Direkt in der Nähe von der U-Bahn-Station ist ein Sportladen und ein Bauhaus-Obi-Verschnitt. Da ich ja noch keine perfekten Fußballschuhe hatte, wollte ich mir zumindest mal das Angebot anschauen. Auf der anderen Straßenseite – direkt vor den Läden – angekommen, wurde mir klar, dass der Gegenzug des Transrapids ja in wenigen Minuten ankommen müsste. Also machte ich meine Kamera fertig, suchte mir einen schönen Platz an einem Geländer, damit ich die Kamera auflegen konnte und stellte alles ein. Perfekt. Es dauerte, und dauerte.
Während dessen meinte ein Fahrer eines alten VW Santana er könnte ja genau vor mir auf der Straße anhalten, um wohl auf jemanden zu warten. Also suchte ich mir einen neuen Platz, ca. 5 Meter weiter. Wieder geschaut, das alles passt – wunderbar. Dann kam er, perfekt. Und was macht dann ein Chinese? Fährt mit seinem Kleinbus genau vor meinen Platz am Geländer auf der Straße – und hält an!
Also bin ich fix an die nächste freie Stelle, doch so richtig tolle Bilder gab es dann nicht mehr. Nochmal warten wollte ich dann nicht – da gehe ich lieber in ein Sportgeschäft und Bummel dort rum.
Der Laden – „Decathlon” – ist ziemlich groß und die Fußballsachen sind natürlich genau am anderen Ende im Vergleich zum Eingang. Doch als ich dort stand, staunte ich nicht schlecht. Die aktuellen Adidas Predator – 320RMB, also runde 30€. Weitere Markenschuhe für 15-20€. Nicht schlecht!
Und dann der Oberknaller: einige Schuhe der (mir unbekannten) Marke Kipsta waren auf 49RMB runtergesetzt – wohl weil sie nicht gekauft wurde. Nur Größe 45 und 46. Ich probierte letztere an, und sie passten. Da brauchte ich dann nicht lange überlegen – für 5 € kann man auch mal Fußballschuhe kaufen!
Zufrieden ging ich zur Kasse – dort konnte die Kassiererin sogar Englisch! Und freute sich mit mir, dass meine Füße zu groß für den durchschnittlichen asiatischen Massenmarkt sind.
Mit dieser guten Laune ging ich dann noch im Baumarkt schauen, denn meine Frau Mama kommt mich ja besuchen und da wäre es gut noch eine Matratze zu haben. Aber hier wollte ich sicher nur erstmal schauen und dort musste ich feststellen, dass nicht alle Produkte in China so viel günstiger sind. Die günstigsten Matratzen gab es ab 100€, was in Deutschland glaube ich nicht so viel anders ist.
Aber mal sehen, wie wir das noch lösen – da mache ich mir keine großen Sorgen.
Den Heimweg ging ich mal durch eine andere Straße als sonst und dort musste ich erschreckt feststellen: Es gibt in diesem Land anscheinend doch auch das älteste Gewerbe der Welt. Da ich bisher bis auf die „Massage?” Anreden in der Innenstadt noch keinerlei Anzeichen für ein Erotikgewerbe gefunden hatte und auch im TV oder den so ausliegenden Zeitschriften das ganze wohl kein Thema ist, war ich etwas überrascht. In den Salons (ich weiß nicht ob es offiziell Massage- oder Friseursalons waren) saßen junge Frauen in eindeutigen Klamotten, die einem beim Vorbeigehen ein „Hello” zuwarfen. Eine sehr fremdartige und vor allem total unpassende Erfahrung, denn ansonsten wirkt hier alles so moralisch sauber.
Zuhause angekommen musste ich feststellen, dass mein Licht nicht mehr geht – wieder!
Am Tag zuvor war es schonmal ausgegangen, allerdings ging es danach mysteriöserweise wieder. Und jetzt ging es wieder nicht… sehr komisch, ich werde das weiter beobachten.
Den krönenden Abschluss des Tages bildete das Abendessen. Ich ging mal nicht zu meinem Nudelmann mit Bildern, sondern in ein kleines Restaurant direkt gegenüber. Dort stand ich erst knappe 10 Minuten vor der Tür und schaute in meinem Sprachführer nach, was dort so auf der Karte stand – denn dort war alles nur in chinesischen Zeichen angeschlagen.
Das Personal schaute einige Male etwas verwundert raus – ich ließ mir aber Zeit. Eine Speise hatte ich dann entziffert, die 3 Zeichen standen für Knoblauch, Schweinefleisch und Nudeln (wenn ich sie richtig wieder erkannt habe). Das sah gut aus, das wollte ich haben. Also bin ich rein, und wurde mit einem freundlichen „Hello!” begrüßt. Ich dachte mir, dass mein Suchen vielleicht ja umsonst war und fragte „Do you speak English?”. Keine Antwort, nur ein verlegenes Lächeln – gut, dass ich doch geguckt hatte. Der konnte anscheinend so viel Englisch wie ich Chinesisch.
Ich zeigte also auf die gewünschte Speise. Dann machte mir die Bedienung klar, dass es das wohl nicht gibt. Stattdessen wurde mir eine kleine (fast im Visitenkartenformat) Karte vorgelegt, natürlich auch nur mit Schriftzeichen, aber den Preisen in arabischen Ziffern. Mein Instinkt sagte mir „Nimm das Teuerste!” – so tat ich es auch. Denn ich wollte jetzt nicht erst all diese Zeichen nachschauen, denn im Sprachführer kann ich ja nur im Lebensmittelbereich alles abklappern, es gibt ja keine Sortierung für die Zeichen, die sich mir logisch ergibt.
Es dauerte kaum 5 Minuten und ich bekam meine Tüte mit essen drin, 2 Behältnisse darin und Stäbchen (ich hatte meine großartigen Kenntnisse angewandt und „da bao” (oder so), also zum mitnehmen bestellt). Ich nahm die Tüte, bezahlt hatte ich schon und ging zurück in Richtung Appartementhaus.
Ein komisches Gefühl, ich hatte keine Ahnung, was es gab – außer, dass dünne Glasnudeln drin waren, das war das einzige Zeichen was ich wiedererkannte ohne in den Sprachführer zu schauen.
Oben angekommen, schaute ich mir mal genau an, was es denn so gab. In der einen Box war Reis – also brauchte ich zumindest keine Angst zu haben, dass ich gar nichts davon essen werde.
Das andere war ein zylindrischer Pappbecher, in dem eine Plastiktüte mit Brühe war. Ich schnitt die Tüte auf und natürlich war in der Tüte genau so viel, dass es den Becher füllte – und noch ca. 50ml mehr. Toll! Gut, dass mein Glastisch so etwas aushält. Die Brühe enthielt die dünnen Glasnudeln und grüne Blätter – keine Ahnung was für eine Sorte. Dazu auch noch Fleisch. Was für Fleisch konnte ich nicht gleich identifizieren – eigentlich ja auch egal.
Nach den ersten Bissen (ich mache mich seitdem ich beim Nudelmann esse und es doch mal mit Stäbchen probiere immer besser) gab es meinerseits eine erste Vermutung: Huhn!
Nachdem ich einen ganzen Schenkel in der Brühe fand, war meine Vermutung relativ sicher. Aber anscheinend war es wohl alles vom Huhn, denn nach Rücksprache mit meiner Mutter und meinen Erfahrungen bisher war wohl auch Magen und Leber dabei, dazu waren noch so glibberige, gelatine-artige Würfel in der Brühe – allerdings in der Farbe von Blutwurst – ob das Hühnerblut war? Man weiß es nicht, aber es schmeckte alles gut!
Allerdings schaffte ich nur rund 2 Drittel des ganzen – es war eine Riesenportion.
Im Nachhinein war es eine gute Entscheidung, einfach mal mutig auf etwas zu zeigen, ohne zu wissen, was es ist. Ich meine, das ist ein Restaurant, die werden nichts Giftiges verkaufen – hoffe ich!