Nachdem ich mir einen Tag Auszeit vorm Notebook mit Programmieren und Spielen gegönnt hatte, wollte ich am 3. Oktober wieder in die Stadt – wohlwissend dass immer noch Golden Week ist und sicherlich nicht viel weniger los sein wird als am chinesischen Nationalfeiertag.
Da ich die Innenstadt vermeiden wollte, war mein Ziel die größte katholische Kathedrale im Fernen Osten – dies schreibt zumindest der Marco Polo Reiseführer. Also bin ich mit der U-Bahn bis nach Xuijiahui gefahren, war aber anscheinend nicht der einzige, der bis zu dieser Station wollte. Fast die gesamte (sehr volle) U-Bahn stieg dort aus.
Grund dafür waren mehrere Einkaufszentren, die ich aber erstmal hinter mir ließ. Immerhin galt es eine Kirche zu erkunden. Nach kurzem Suchen fand ich die Kathedrale eher zufällig; die europäische Kirchensuchmethode „Einfach mal Ausschau halten” hatte nicht geklappt. Der Grund dafür war relativ einfach: Um die Kirche herum waren (normale) Wohn-Blocks, die alle mindestens 15-20 Stockwerke umfassten. Und die Kirche war bei weitem nicht das, was ich mir unter der größten Kathedrale im Fernen Osten vorgestellt hatte.
Sowohl meine Heimatkirche in Wolfhagen als auch St. Stephan in Karlsruhe sind größer als diese „Kathedrale”. Trotzdem tat es gut etwas westlichen Stil mitten in Shanghai zu sehen, allerdings war der Zugang zur Kirche gesperrt, so dass ich sie nicht besichtigen konnte.
Da ich noch nichts Richtiges gegessen hatte, schaute ich in der Gegend nach essbarem – ein McDonald’s oder ähnliches. Allerdings war außer einem Kentucky Fried Chicken / KFC nichts zu finden und auf Huhn hatte ich keine Lust. Aber zum Glück fand ich eine Bäckerei – eine echte Bäckerei!
In Deutschland nichts besonderes, hier schon. Es gibt hier keine große Backtradition und das Angebot war für Deutsche Verhältnisse sehr rar, es gab z.B. wieder kein Grau- oder Körnerbrot. Aber es gab kleine, herzhafte Teilchen und ein Baguette. Also machte ich etwas, was für mich wirkte als wäre ich im tiefsten Frankreich: Mit dem Baguette in der Hand setzte ich mich in den Park vor der Kirche und genoss ein wenig heimatliche Gefühle – auch wenn manche Chinesen mich etwas stärker begafften als es sonst üblich ist.
Nach dieser Auszeit war ich wieder gestärkt für weiteres Getummel, also bin ich durch eine der größeren Einkaufsgalerien vor Ort gegangen. Das war wohl die Luxusgalerie. Im Eingangsbereich hatte Calvin Klein einen Stand und stellte dort unfassbar hässlichen Schmuck aus – ich verkniff es mir auf den Preis zu schauen.
Ansonsten war in dieser Galerie alles vertreten was Rang und Namen hat, erinnern kann ich mich auf jeden Fall noch an einen Versace-Laden, aber da ich nicht der Riesenfan von solchen Läden bin, sind die meisten Markennamen gleich wieder aus meinem Kopf verschwunden.
Nach einer runden halben Stunde herumstolpern in dem Viertel rund um die Kirche, welches von vielen Einkaufszentren und hohen Häusern gekennzeichnet ist, hatte ich dann genug und ging wieder zur U-Bahn.
Wiedermal ein spontanes (wirkliches) Bauchgefühl brachte mich dann dazu nicht einfach heimzufahren, sondern schon 3 Stationen weiter, in der South Shaanxi Road, auszusteigen. Ich wusste, dass dort ein McDonald’s ist und ich hatte Heißhunger auf einen Burger.
Nach dem kurzen Stop bei Mäcces entschloss ich mich dazu – ich war noch gar nicht genervt von den Massen, die auf den Beinen waren – mal ein Stück zu laufen. Letztendlich wurde es ein größeres Stück, nämlich bis an den People’s Square, an dem ich ansonsten sowieso hätte umsteigen müssen. Um dem Ganzen mal eine Dimension zu geben, das sind geschätzte 45 – 60 Minuten Fußmarsch. Eigentlich wollte ich jetzt eine Kilometerangabe machen, allerdings musste ich gerade feststellen, dass meine Touristen-Stadtkarte gar keinen Maßstab eingezeichnet hat…
Unterwegs genoss ich das Flair der Einkaufsstraße Huaihai Road. Hier ist alles nicht ganz so überlaufen und überdimensioniert wie in der Hauptstraße der Innenstadt (East Nanjing Road, siehe 1.10.).
Während es dunkel wurde tauchte ich dann in das ein, was man wohl urbanes Leben nennt. So manche Straßenzüge sind schon wirklich – ja… urban. Wenn in 3 Etagen Straßen verlaufen oder man per Fußgängerbrücke über eine Straße geleitet wird, während darüber noch eine weitere Straße auf einer Brücke verläuft.
Also machte ich ein paar schöne Fotos und nach dem Marsch war ich dann froh am People’s Square in die U-Bahn zu steigen, was allerdings wieder zu einem gewissen Sardinen-Gefühl führte – es war noch voller als die Male zuvor. Aber das ging auch.
Der Abend wurde dann von Nudeln mit Rührei und Tomate von meinem neuen Lieblingsnudelmann abgerundet, während ich wiedermal ein Feuerwerk beobachten konnte. Das zweite in einer Reihe von drei, diesmal dauerte es noch ca. 10 Minuten länger als das erste, welches zwei Tage zuvor statt fand; also insgesamt satte 50 Minuten.
Nach dem Feuerwerk tat ich dann das, womit ich mich – neben skypen und dem generellen Kontakt nach Deutschland – hier oft beschäftige: Die erste Staffel von Dr. House auf Englisch.